Sicher radeln – tragen Sie Helm?

Kräftigen Widerstand erwartet jenen, der die Einführung einer allgemeinen Helmpflicht fordert. Das war eigentlich schon immer so. Doch warum wird so viel Wirbel um eine schlichte Schale aus Hartschaumstoff gemacht? Die Gründe sind unterschiedlich und meist trivial, verglichen mit dem Nutzen, den der Helm uns Fahrradfahrern im Ernstfall bringen kann. Ein Helm sei schwer zu verstauen und grundsätzlich unpraktisch. Außerdem zerstöre er die, im routinierten Morgenablauf liebevoll zurechtgemachte, Frisur. Fahrradfahrer würden überdies zu einer aggressiveren Fahrweise verleitet, weil sie sich mit Helm im Straßenverkehr sicherer fühlen.

Zahlen interessieren kaum jemanden

Trotz ausführlicher Studien, die immer wieder bestätigen, wie sehr das Tragen eines Helms das Verletzungsrisiko senkt, bleibt die Zahl der Helmträger im Straßenverkehr gering. Seit den achtziger Jahren wurden dazu in unterschiedlichsten Bereichen der Welt immer wieder neue Studien in Auftrag gegeben. Diesen diversen Studien zufolge ist es unstrittig, dass das Tragen eines Helms das Verletzungsrisiko beim Unfall um 50 – 70 % senkt. Insbesondere können durch den Helm schwerwiegende Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas gemindert werden, welches als häufigstes Resultat eines Fahrradunfalls gelistet ist. Der Anteil von erwachsenen Helmträgern schwankt derzeit zwischen sieben und 21 Prozent. Das ist nicht unbedingt viel, wenn man diese Zahlen in den direkten Vergleich zu einer anderen Altersgruppe stellt. Interessanterweise tragen nämlich Kinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren mit 76 Prozent überdurchschnittlich oft einen Fahrradhelm. Und das bestimmt nicht, weil sie sich das freiwillig aussuchen, sondern weil ihre sorgenden Eltern das so wollen.
Natürlich fahren diese Kinder noch nicht mit der Sicherheit und dem Überblick im Straßenverkehr, wie ein Erwachsener dies täte – und dennoch bleibt der Grundgedanke des Helmtragens der gleiche: gemindertes Risiko für körperliche Folgeschäden im Falle eines Unfalls.

Positive Wirkung des Helms nicht spürbar

Eine Helmplicht wird nicht automatisch zu weniger Fahrradunfällen im Straßenverkehr führen, weshalb Institutionen wie der ADAC oder zum Beispiel die Polizei, das Tragen eines Helms lediglich „empfehlen“, anstatt eine gesetzliche Helmpflicht zu fordern.
Schwere Unfälle mit dem Fahrrad sind eher selten, weshalb der positive Effekt des Helms nicht direkt für jeden Radler spürbar wird. Wer noch nicht in einen Verkehrsunfall mit dem Fahrrad involviert gewesen ist, empfindet den Helm daher als lästig.

Appell an die Eigenverantwortung – anstelle von Zwang

Mit gesetzlichen Regelungen, mögen sie noch so sehr im Sinne des Allgemeinwohls erlassen worden sein, geht immer auch eine gewisse Freiheitseinschränkung einher. Insbesondere in der Debatte um die Helmpflicht, könnte man also versuchen den Fokus von der Plicht abzurücken und ihn stattdessen auf die Eigenverantwortung des Einzelnen zu richten. Für andere Verkehrsteilnehmer ist es nämlich nicht entscheidend, ob ein Radfahrer einen Helm trägt oder nicht – denn lediglich der Radler selbst, nimmt für sich das erhöhte Verletzungsrisiko im Falle eines Sturzes in Kauf, wenn er ohne Helm auf den Sattel steigt.

Besonders deutlich wird dies bei Institutionen wie dem ADAC und der Polizei, die wie bereits erwähnt lediglich Empfehlungen zum Helmtragen aussprechen. Das Kredo lautet auch hier: Appell an die Eigenverantwortung –  anstelle von Zwang.
In einem Land wie Deutschland wird jedoch sowohl mit Zwang, als auch mit dem Appell an die Eigenverantwortung, oft zuerst einmal Missbilligung geerntet. Denken wir beispielsweise an die Einführung der Pflicht für Autogurte in den siebziger Jahren zurück, hören wir das Echo der Proteste noch bis heute nachhallen. Mittlerweile wissen wir, wie oft der Sicherheitsgurt als lebensrettendes Element bei Autounfällen wirkte. Und die wenigstem widersetzen sich dieser gesetzlichen Anordnung mehr.

Helmpflichtdebatte bleibt weiterhin offen

Die Anordnung eines neuen Gesetzes bringt immer auch Konsequenzen mit sich. Bestehen Regeln, kann dagegen verstoßen werden und es braucht jemanden, der den Einhalt der Regeln kontrolliert, da das Gesetz ansonsten wirkungslos bleibt.

Anstatt also den Fahrradfahrer durch Zwang zum Helmtragen zu bekommen, muss man ihn dazu bewegen, den Helm freiwillig aufzusetzen. Positive Motivation ist hier das Stichwort. Kampagnen in denen dem Helm ein positiveres Image gegeben wird, könnten ein guter Start in die richtige Richtung sein.

Letztlich, wie bei eigentlich jeder relevanten Frage in der Verkehrssicherheit, kommt es aber nicht einzig darauf an, dass nur Personenmerkmale angepasst werden sondern, dass sich im gesamten Verkehrssystem etwas tut.
Das Verkehrssystem besteht nicht nur aus seinen Teilnehmern, sondern auch aus seiner Infrastruktur und der Fahrzeugtechnik. Ganzheitlich betrachtet müsste daran gearbeitet werden, dass diese drei Komponenten in Zukunft noch besser ineinander greifen. Dazu gehört zum Beispiel auch, dass mehr Verständnis für die Position des anderen Verkehrsteilnehmers entsteht – ob nun Fußgänger, Radler oder Autofahrer.

Schlussendlich bleibt es aber dabei: Jeder hat die Möglichkeit, bereits in kleinster Instanz mitzuwirken, indem er für seine eigene Sicherheit sorgt. Das kann beim achtsamen Fahrradfahren und dem Aufsetzen eines Helms beginnen. Am besten mit beidem.

Dass ein Helm auch richtig schick sein kann, zeigen diese Beispiele:

 

Bildquellen: Bocas, B.O.C.

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Kategorie: Aktuelles

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