Mit dem Rad durch Kopenhagen!
Mit dem Rad durch Kopenhagen!

Wie bereits des Öfteren in diesem Blog thematisiert, wird Fahrradfahren immer beliebter. Das Auto der Umwelt oder der eigenen Gesundheit zuliebe mal stehen zu lassen und die Strecken stattdessen auf zwei Rädern zurückzulegen, ist gerade jetzt im Sommer für viele schon zum Alltag geworden. Der kultige Drahtesel als erstes Transportmittel erfreut sich sogar einer solch großen Beliebtheit, dass selbst die Politik das Thema Radinfrastruktur nicht länger aufschieben kann und neuerdings der Begriff „ Fahrradstadt“ in aller Munde ist.

Wie genau definiert sich die Fahrradstadt?

Als Fahrradstadt wird eine Stadt bezeichnet, in der der Radverkehr einen überdurchschnittlich hohen Anteil am allgemeinen Verkehrsaufkommen ausmacht.  Doch schwingen sich in solch einer Stadt die Menschen zum Einkaufen nicht nur lieber auf den Sattel, als sich hinter das Lenkrad zu klemmen. Auch für Politik und Stadtverwaltung ist die Planung und die stetige Verbesserung der Radinfrastruktur als Kernthema fest verankert. Ein netter Nebeneffekt, der entsteht wenn die Bevölkerung überdurchschnittlich viel Fahrrad fährt, ist die Abgas-Reduktion. Neben Umweltfreundlichkeit bietet das regelmäßige Radeln auch vielerlei gesundheitlicherVorteile. Wer wöchentlich fünf Mal für 20-30 in die Pedale tritt, kann Herzkreislaufproblemen oder Übergewicht effektiv vorbeugen oder sogar den Kampf ansagen. Da lohnt es sich doch sehr, den täglichen Arbeitsweg mal mit dem Drahtesel zu testen, wie es die Einwohner der nächsten Beispielstadt machen.

Kopenhagen ist prominentestes Beispiel

Wer der Stadt Kopenhagen einmal einen Besuch abgestattet hat, dem wird es mit Sicherheit aufgefallen sein. In der dänischen Hauptstadt fährt jeder Rad! Weder Wind noch Wetter kann die Kopenhagener von ihrem Zweirad herunterholen, denn hier ist Fahrradfahren ein Lifestyle.  55 % der Einwohner legen täglich ihren Weg zur Schule, Ausbildungsstätte oder Arbeit mit dem Rad zurück. Das ist mehr als in jeder anderen Stadt der Welt. Die Bedingungen für Radfahrer sind in Kopenhagen so gut, dass andere Städte, über den ganzen Globus verteilt, es dem Vorbild der dänischen Hauptstadt nachtun wollen und sich in der Lobby bereits der Begriff „to copenhagenize“  (dt. Kopenhagenisierung) etabliert hat.

Die Kopenhagenisierung in Deutschland

Große Anwärter, die bis zum Jahr 2020 sogar Fahrradhauptstadt in Deutschland werden möchten, sind unter anderem Leipzig, Bonn, Hamburg, Berlin und München. Zahlreiche Entwürfe, wie man dieses Ziel innerhalb des genannten Zeitraums erreichen könne, liegen vor. Laut den Ergebnissen des ADFC-Klimatest 2014, für den 100.000 Einwohner zur Fahrradfreundlichkeit ihrer Heimatstädte befragt wurden,  liegen folgende Städte (in absteigender Reihe) im Gesamtranking ganz vorne: Münster, Karlsruhe, Freiburg im Breisgau, Hannover und Bremen.

Fahrrad-Hochburg Münster

Ein in Deutschland bereits sehr bekanntes Beispiel einer Fahrradstadt ist Münster. Dort werden täglich ungefähr 40 % der gefahrenen Strecke auf dem Rad zurückgelegt. Tatsächlich wird diese Zahl noch um weitere vier Prozentpunkte vom Mecklenburg-Vorpommerschen Greifswald übertroffen, was Münster allerdings trotzdem den Titel „Fahrrad-Hochburg für Deutschland“ nicht abringen kann. Am Münsteraner Bahnhof wurde sogar ein Parkhaus eigens für die Leeze (so nennen die Einwohner den Drahtesel dort liebevoll)  mit integrierter Fahrradwaschanlange errichtet. Ebenfalls zu erwähnen, ist die 4500 Meter lange Ringstraße (Promenade), die die gesamte Altstadt umschließt und neben den gesondert für Fußgänger markierten Gehstreifen, ausschließlich dem Radfahrer vorbehalten ist.  Kein Wunder also, dass Münster mehrfach zur fahrradfreundlichsten Stadt Deutschlands gekürt wurde und sogar Architekten aus der ganzen Welt einreisen, um sich ein Bild von ihrer Infrastruktur zu machen, welche zur Inspiration für die Stadtplanung anderer, internationaler Städte dienen soll.

B.O.C. – Fahrradstädte Bremen, Hannover und Karlsruhe

Wie bereits erwähnt dürfen sich neben den Münsteranern  jedoch auch Fahrradfreunde aus Bremen, Hannover oder Karlsruhe über eine besonders fahrradfreundliche Heimat freuen.

In Bremen beispielsweise  ist der Radverkehr mit 26,5 % höher als in jeder anderen deutschen Großstadt mit mehr als 300.000 Einwohnern. Zahlreiche Radwege führen entlang der Weser, begleiten Kanäle und durchlaufen Grünflächen. Sie verbinden Kultureinrichtungen, Sehenswürdigkeiten und Parks so angenehm miteinander, dass die Hansestadt besonders für Fahrradtouristen ein beliebtes Ziel ist.

Die Stadt Hannover bietet von seinem Stadtzentrum aus stolze 15 ausgeschilderte Routen, die strahlenförmig in die umliegenden Städte und Gemeinden führen. Weitgehend unabhängig von Hauptverkehrsstraßen kann die Stadt vom Sattel aus erkundet werden und bietet vor allem Familien mit Kindern eine ideale Atmosphäre, um ausgiebige Radtouren zu machen, da die Wege in der Region nicht nur an sehr vielen Grünflächen entlangführen, sondern auch selten zu steil für die jüngeren Radler verlaufen.

Wie viele vielleicht nicht wissen, hat der in Karlsruhe geborene Karl Drais 1817 das Fahrrad als einspuriges Zweirad erfunden. Mit diesem besonderen historischen Bezug zum Drahtesel, hat sich die Stadt Karlsruhe natürlich besondere Pläne in Sachen Fahrradfreundlichkeit auf seine Fahnen geschrieben und versucht seit 2005 kontinuierlich das Radwegnetz bis zur Lückenlosigkeit  auszubauen.

Da das Thema „Fahrradstadt“ viele verschiedene Ansatzpunkte bietet, wird in Kürze ein Folgebeitrag erscheinen, der sich noch näher mit den einzelnen Maßnahmen zur Verbesserung der Radinfrastruktur  auseinandersetzt.

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Bildquelle: fotolia.com

Kategorie: Aktuelles, Ratgeber

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