In Fahrradstraßen sind Radler zwar selten allein, aber sie genießen Vorrang.

Durch das Verkehrszeichen 244.1 wird eine Straße zur Fahrradstraße.  Auf dem weißen, quadratischen Verkehrsschild sind ein blaues, rundes Fahrrad-Symbol und darunter die Aufschrift „Fahrradstraße“ zu sehen. Innerhalb dieser eigens gekennzeichneten Straße bestimmt die StVO die geltenden Ge- und Verbote.

Diese Regeln gelten in der Fahrradstraße

Grundsätzlich ist neben dem Radverkehr kein anderer Fahrzeugverkehr auf einer Fahrradstraße gestattet, es sei denn, ein Zusatzzeichen gibt die Straße, zum Beispiel für Anlieger, frei. Die Höchstgeschwindigkeit innerhalb der Fahrradstraße beträgt 30 km/h.  Außerdem dürfen Radler dort jederzeit nebeneinander herfahren ohne einem Autofahrer Platz zum Überholen machen zu müssen. Um den Vorrang und die Sicherheit der Fahrradfahrer jederzeit zu gewährleisten, muss der Autofahrer wenn nötig also auch noch weiter vom Gas runter gehen.  Sofern es durch zusätzliche Beschilderung nicht anders vorgesehen ist, gilt an jeder Einmündung oder Kreuzung ganz klassisch rechts vor links. Für das Halten und Parken sind innerhalb der Fahrradstraße dieselben Regeln wie auch in anderen Straßen vorgesehen.

Autos und andere motorisierte Verkehrsteilnehmer sind in diesen Straßen quasi als Gäste zu betrachten, weshalb sie sich dem Radverkehr dort anzupassen haben. Da Anlieger, wie beispielsweise Geschäftsinhaber, Angestellte oder Wohnungsmieter immer die Möglichkeit zur freien Anfahrt innehaben sollen, gibt es selten „reine“ Fahrradstraßen ohne das oben benannte Zusatzschild „Anlieger frei“. Für Fußgänger ändert sich in einer Fahrradstraße rechtlich übrigens nichts, weshalb die Biker ihnen gegenüber keine Sonderstellung erlangen.

Diese Vorteile bringt die Fahrradstraße

Das Praktische an der Fahrradstraße ist, dass sie schnell und einfach angeordnet werden kann – auch ohne konkrete Gefahrenlage. Schnell geht es deshalb, weil sich die vorhandene Fahrbahn baulich nicht verändert, sondern lediglich einige Schilder installiert und eventuell Fahrrad-Piktogramme auf die Straße gepinselt werden müssen. Deshalb sind Fahrradstraßen für angehende Fahrradstädte auch so interessant. Gibt es für den Autoverkehr nämlich weiterhin gute alternative Strecken, gibt es wenig Argumente gegen einen flächendeckenden Ausbau des Fahrradstraßennetzes.

Für Radfahrer liegen die Vorteile solcher Straßen klar auf der Hand. Der Verkehr ist beruhigt, es entstehen weniger Abgase in der direkten Umgebung und man fühlt sich sicherer auf der Fahrbahn, da man nicht mehr zwischen tosendem Autoverkehr strampelt. Durch das geringere Verkehrsaufkommen entsteht weniger Stau und die Radler können nebeneinander herfahren und sich in ruhiger Umgebung miteinander unterhalten. Und wenn mehr Radfahrer und Radfahrerinnen die attraktiven, irgendwann hoffentlich lückenlosen Nebenstrecken anstatt der vielbefahrenen Hauptstraßen nutzen würden, könnte sich auch das Konfliktpotential zwischen Autofahrern und Radlern reduzieren, da jeder in einer ihm angemessen Umgebung unterwegs sein kann.

Ein Radstraßennetz, das hauptsächlich in der Nähe von Schulen ausgebaut würde, würde übrigens gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Sichere Schulwege, weniger Elterntaxis, selbständigere Schulkinder!

Ein Stadtbild mit Qualität

Besonders im direkten Umfeld einer Fahrradstraße steigt die Wohn- und Lebensqualität immens. Denn durch den wenigen motorisierten Durchgangsverkehr wird neben Abgasen auch Lärm reduziert. Bei der allgemeinen Annahme, dass eine Verkehrsberuhigung unter anderem zu Umsatzeinbußen der lokalen Wirtschaft führe, handelt es sich übrigens um ein Gerücht. Sogar das Gegenteil ist der Fall: Da Fahrradfahrende pro Einkauf weniger transportieren können als Autofahrer, müssen sie häufiger in den Supermarkt und kaufen deshalb im Schnitt Lebensmittel für mehr Geld, als PKW-Fahrer. Wer mit dem Rad unterwegs ist, hält außerdem öfter mal an oder schiebt das Rad, um ein Weilchen zu bummeln oder durch Schaufenster zu stöbern. Da Autofahrer in der Regel länger nach einem Parkplatz suchen müssen, fahren sie eher mit Scheuklappen an Läden vorbei und kommen als potentielle Kaufkraft seltener infrage. Freizeitradler lassen sich beispielsweise bei gutem Wetter auch gerne mal zum „Draußen-Verweilen“ in einem Café animieren, was innerhalb einer verkehrsberuhigten Zone einfach wesentlich angenehmer ist, als an einer stärker befahrenen Straße. Die Gastronomie profitiert also auch durch eine ruhige Lage mit frischer Luft und mehr Leben auf den Straßen.

Umweltbewusste Bürger und Bürgerinnen wollen gerne noch häufiger das Rad anstelle des Autos oder der öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, fühlen sich dazu aber oft zu unsicher auf den Straßen der Stadt. Ein lückenloses Fahrradstraßennetz könnte also nicht nur einen wesentlichen Beitrag zur Reduzierung der innerstädtischen Feinstaubbelastung sondern auch zu Steigerung der urbanen Lebensqualität leisten.

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Bildquelle: Fotolia

 

 

Kategorie: Aktuelles

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