Elbwind trifft auf Rückenwind: Eine erste Probefahrt auf dem E-Scooter

Was E-Scooter und Zigaretten gemeinsam haben? Eigentlich nicht viel. Aber sie teilen sich ihr Sündenbock-Image in der Presse. Doch dazu später mehr. Überall in den Medien sorgen E-Scooter für Furore, füllen alle 24 Stunden einprägsame Schlagzeilen und erzeugen eine neue Struktur auf den Radwegen der deutschen Großstädte. Was es mit dem Hype um die kleinen Flitzer auf sich hat, welches Regelwerk bei der Nutzung gilt und wie man die E-Scooter möglichst risikofrei fahren kann, versucht der untenstehende Text zu umreißen.

Wie begann der Hype um die elektrisch betriebenen Tretroller?

Startschuss war im Mai diesen Jahres, als der Bundesrat die Zulassung und dasgrundsätzliche Regelwerk für E-Scooter im deutschen Straßenverkehr beschloss. Ab dem 15. Juni dürfen die elektrisch betriebenen Flitzer offiziell und ganz legal neben unseren heißgeliebten Drahteseln auf den Fahrradwegen der Bundesrepublik einheizen. Bis zu 20 km/h werden die E-Scooter schnell und wenn es keinen Radweg gibt, müssen sie auf die Fahrbahn ausweichen. Fußwege oder Fußgängerzonen sind hingegen ein striktes Tabu. Eine Helmpflicht für E-Scooter-Fahrer besteht nicht, wird aber dank der Schlagzeilenrekorde wieder in die Diskussionen innerhalb der sozialen Medien und auch innerhalb der Politik aufgenommen. Des Weiteren muss der Fahrer eines E-Scooters mindestens 14 Jahre altsein. Ein Führerschein wird somit nicht benötigt, eine Versicherungspflicht für den Roller besteht hingegen schon.

Trend geht zunächst zum E-Scooter zur Leihe

Da jeder Händler sich zunächst eine Betriebserlaubnis zum Verkauf der kürzlich zugelassenen E-Scooter einholen muss, gibt es derzeit wesentlich mehr E-Scooter zur Leihe, als im Privatbesitz. Maßgeblich mitverantwortlich sind auch die reihenweise auftauchenden Leihanbieter für E-Scooter in den deutschen Stadtzentren. Folglich erfreuen sich die kleinen Flitzer auch großer Beliebtheit unter Touristen. Doch nicht nur von Touris werden sie häufig gefahren. Gerne wird auch das letzte Stück vom Bahnhof bis zur Bürotür mit den E-Scootern zurückgelegt. Jedenfalls sieht man beispielsweise auf dem Hamburger Alsterradweg nicht nur Freitzeitfahrer sondern auch gut frisierte Aktentaschen- und Anzugträger auf den E-Scootern umher flitzen. Zahlbar ist die Mietzeit der Tretroller beispielsweise per PayPal, Kreditkarte oder Giropay. Das Ganze gibt‘s zu einem happigen Minutenpreis um die 20-Cent-Marke. Ähnlich wie bei Car-Sharing-Anbietern kann man die Tretroller nur innerhalb eines individuellen Geschäftsgebietes abstellen.

“E-Scooter-Fahren ist das neue Rauchen”

“E-Scooter-Fahren ist das neue Rauchen” sagte neulich ein Arbeitskollege in der heiteren Büroatmosphäre eines hochsommerlichen Arbeitstages. Alle lachten – denn schließlich brauchen die Medien doch immer einen Sündenbock, über den sich die Leserschaft erzürnen kann. Eigentlich ist es aber gar nicht so lustig, denn scheinbar gelingt es einigen E-Scooter-Fahrern nicht, die Geschwindigkeit der kleinen Cityflitzer richtig einzuschätzen. Um mitreden, bzw. schreiben zu können, habe ich mich am vergangenen Wochenende selber auf einem E-Scooter probiert, den ich nahe des Hamburger Fischmarktes entleihen konnte. Und dann ging die Post ab! Selbst als überzeugte Alltagsradlerin, die eine innige Liebesbeziehung zu ihrem Zweirad hegt, musste ich zugestehen, dass die spritzige Probefahrt richtig Spaß gemacht hat.

Als Alltagsradler weiß man jedoch auch, wie schwer sich das “sehen und gesehen werden” selbst mit bester Fahrradbeleuchtung gestaltet. Einen E-Scooter als Gefährt zu identifizieren ist dank der aufrechten Haltung des Fahrers daher für Autofahrer sicher noch etwas komplexer, als das Erkennen von Radfahrern.

Wie wird aus einem riskanten Freizeitspaß eine möglichst sichere Angelegenheit?

Laut Gesetz wird dem E-Scooter-Fahrer ein Promillewert von 0,5 zugestanden, welchen wir jedoch aus Sicherheitsgründen auf keinem Gefährt empfehlen, das nicht ausschließlich mit eigener Körperkraft betrieben wird. Ebenso wie wir grundsätzlich das Tragen eines Helmes auch ohne bestehende Pflicht empfehlen. Helle Kleidung zur besseren Sichtbarkeit kann in der Dämmerung ebenfalls das Unfallrisiko senken, genauso wie die strikte Einhaltung von Verkehrsregeln und Ampelphasen. Wenn auf diese Faktoren geachtet wird, kann ein aufmerksamer Autofahrer entsprechend reagieren.

Unser Fazit zum E-Scooter

Wer Wert auf Komfort, Flexibilität und Spaß legt, für den kann ein E-Scooter als Fortbewegungsmethode im Stadtzentrum genau die richtige Wahl sein.  Doch Vorsicht ist geboten: Noch längst nicht alle Verkehrsteilnehmer haben den E-Scooter als festen Bestandteil des Verkehrs auf dem Bildschirm.  Wer E-Scooter fahren möchte, dem empfehlen wir im Sinne der eigenen Sicherheit, nur die Fahrt mit Helm. Und wer nach einer Party leicht alkoholisiert nach Hause fahren möchte, lässt den E-Scooter aus Vernunftsgründen bitte auch lieber stehen und weicht auf die Alternativen des öffentlichen Nahverkehrs aus. Sowohl für sich selbst, als auch im Sinne aller anderen Verkehrsteilnehmer.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (1 votes, average: 1,00 out of 5)

Loading...
Bildquelle: B.O.C.

Kategorie: Aktuelles

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.