Kinder die früh selber radeln sind sicherer im Straßenverkehr

Und jährlich grüßt das Murmeltier – oder so ähnlich: Die Sommerferien sind um, Erstklässler werden zu Zweitklässlern, Zweitklässler zu Drittklässlern und so fort. Ebenso blicken frischgebackene Vorschulkinder und ABC-Schützen in eine umbruchreiche Zukunft. Unter den Eltern der jüngsten Schulkinder hat sich in den letzten Jahren jedoch ein kritischer Trend durchgesetzt, den wir uns gerne genauer anschauen möchten. Die Rede ist vom sogenannten Elterntaxi.

Was ist das Elterntaxi?

Im Prinzip ist der Begriff selbsterklärend. Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto regelmäßig zur Schule und werden zu Taxifahrern für die eigenen Kinder und nehmen ihnen somit die Möglichkeit, die Teilhabe am Straßenverkehr selbstständig zu erlernen. Dabei liegt die Schule meistens innerhalb eines konkreten Einzugsgebietes, sodass diese gut zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erreichen ist. Aus der positiven Intention, das eigene Kind mit dem Auto möglichst sicher direkt bis vors Klassenzimmer zu kutschieren, ist eine pulsierende Debatte entstanden.

Unsichere Schulwege durch Elterntaxis

Wie auch im Berufsverkehr, herrscht um kurz vor acht vor den Schulhöfen ein reges Treiben, damit die Kinder pünktlich mit dem ersten Läuten der Schulglocke im Klassenzimmer an ihren Tischen sitzen.  Laut einer aktuellen Forsa-Studie wird derzeit jedes dritte Grundschulkind mit dem Auto zur Schule gefahren. Die vielen Elterntaxis verursachen damit nicht nur unnötigen Stau vor den Schulen, sondern setzen die Schulkinder auch einem höheren Unfallrisiko aus. Eine wissenschaftliche Studie der Bergischen Universität Wuppertal im Auftrag des ADAC hat nun folgendes gezeigt: Allein im vergangenen Jahr kamen über 10.000 Kinder unter 15 Jahren im Auto ihrer Eltern zu Schaden – diese Zahl liegt deutlich höher, als bei denjenigen Kindern, die den Schulweg zu Fuß oder mit dem Fahrrad antraten. Paradoxerweise wird somit aus der gut gemeinten Intention der Eltern, nämlich ihre Kinder vor dem Autoverkehr zu schützen, die viel größere Gefahr. Allein schon beim Ausrangieren aus einer Parklücke ist das Risiko extrem hoch, einen laufenden Meter vor dem Schulhof zu übersehen.

Das Elterntaxi verhindert wichtige Entwicklungsschritte

Von Psychologen wird das Elterntaxi vor allem deshalb kritisiert, weil es die jungen Schulkinder passiv mache und dadurch in wichtigen Entwicklungsschritten behindere. Im Auto der Eltern wird die „Generation Rücksitz“ nicht ausreichend gefordert. Kein Wunder, dass viele Elterntaxi-Kinder, müde aus ihren Autositzen stolpern und erst im Unterricht so richtig wach werden. Bewegung, frische Luft, soziale Kontakte in Lauf- und Fahrradgemeinschaften, der intime Austausch von Geheimnissen – all das bleibt im wahrsten Sinne des Wortes auf der Rückbank des elterlichen Autos zurück. Nur Schulkinder, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind, haben auch die Chance ihre Umgebung auszukundschaften und folgerichtig auch nur dann die Möglichkeit, zu lernen, wie sie sich sicher im Straßenverkehr bewegen.

Mehr Selbstsicherheit durch Fahrradfahren

Zu zweit oder in kleinen Gruppen können Kinder wunderbar mit dem Rad zur Schule fahren

Besonders ideal für Kinder ist das Fahrradfahren. Es spricht den menschlichen Körper auf unterschiedliche Art und Weise an und fördert sowohl Kognition als auch Konzentration, welche in der Entwicklung von Kindern eine wichtige Rolle spielen. So werden Kinder durch das Fahrradfahren nicht nur beweglicher und körperlich fitter, sondern lernen beim regelmäßigen Radeln, sich länger zu konzentrieren, was ihnen wiederum dabei hilft, Geschwindigkeiten selbst einzuschätzen und potentielle Gefahrensituationen im Straßenverkehr schneller zu erkennen.
Da bekanntlich noch kein Meister vom Himmel gefallen ist, könnten besorgte Eltern mit ihren Kindern den Schulweg solange gemeinsam radeln und einüben, bis jede Passage des Weges vertraut ist und auch tückische Kreuzungen mit routinierter Vorsicht genommen werden. Fahrradgemeinschaften mit benachbarten Klassenkameraden sind auch super Lösungen, um Kinder selbstständig den Schulweg antreten zu lassen.

Kinder sind dazu in der Lage, aus jeder noch so unspektakulär scheinenden Situation ein echtes Abenteuer zu machen und diese Freiheit und eine frühe eigenständige Mobilität sollten Erwachsene ihnen lassen. Ob beim Austauschen von Geheimnissen im Bus, streichespielend zu Fuß oder den Gegenwind und einen Berg bezwingend mit dem Fahrrad.

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Bildquelle: Puky

Kategorie: Aktuelles, Ratgeber

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