Critical Mass Hamburg

Nichts holpert, nichts ruckelt, nichts klappert – so darf sich Fahrradfahren in der Stadt gerne immer anfühlen! Leider ist das ein Bild, das bei uns in Deutschland und auch weltweit eher selten der Realität entspricht. Radwege  weisen oft große Lücken auf, führen urplötzlich ins Nichts oder sind so stark von Wurzeln aufgebrochen, dass das Befahren zur reinen Tortur für Laufrad und Hintern wird.
Um auf diese und weitere Missstände aufmerksam zu machen, schließen sich über den gesamten Globus hinweg, regelmäßig zahlreiche Fahrradfahrer zusammen und fahren zu hunderten oder tausenden mit der sogenannten Critical Mass auf den Straßen ihrer Stadt.

Was ist die Critical Mass?

Die Critical Mass („kritische Masse“) ist eine direkte Aktionsform, bei der sich Fahrradfahrer und andere nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer scheinbar unorganisiert treffen und dann gemeinsam einer spontan festgelegten Route durch ihre Stadt folgen. Ihren Ursprung hat die Critical Mass in San Francisco, wo sich im September 1992 erstmals Fahrradfahrer zusammengefunden haben, die ihrer Fahrradaktion den Namen Critical Mass gaben. Seitdem treffen sich Radfahrer weltweit mehr oder weniger regelmäßig zu gemeinsamen Fahrten durch die Städte.  Die große und zeitgleiche Anhäufung der Fahrräder, soll auf das Fahrradfahren als allgemeinrelevante Verkehrsform aufmerksam machen. Denn oft sind es insbesondere Autofahrer, die den Platz auf der Straße lediglich sich selbst und anderen PKW-Fahrern einräumen – Fahrräder haben ihrer Meinung nach dort nichts zu suchen.

Da jedoch der weltweite Radverkehr seit Jahren einen immensen Zuwachs verzeichnet, stimmen die Verhältnisse nicht mehr, finden viele Fahrradfahrer. Ein Infrastruktursystem sollte sich den Bedürfnissen einer modernen Gesellschaft anpassen und versuchen, allen Verkehrsteilnehmern gerecht zu werden. In Großstädten mit gut ausgebautem öffentlichem Nahverkehr geht der Trend zum frühen Führerschein zum Beispiel seit Jahren zurück. Anschaffungs- und Haltungskosten für ein Auto sind insbesondere jüngeren Erwachsenen zu hoch, sodass Bus, Bahn und eben auch das verhältnismäßig kostengünstige Fahrrad mehr zum Einsatz kommen, um sich andere Statussymbole wie beispielweise ein Smartphone oder einen Kurztrip nach London leisten zu können.

Die Critical Mass in der Großstadt Hamburg

An jedem letzten Freitag im Monat setzen sich die Teilnehmer der Critical Mass in Hamburg aktiv für die Bedürfnisse von Fahrradfahrern ein. Mitfahren kann jeder. Ob jung, ob alt, Zweirad oder Dreirad. Jeder ist hier willkommen. Einen offiziellen Veranstalter gibt es nicht, weshalb die Route durch die Stadt auch nicht von der Polizei abgesichert wird – Straßen werden selbst abgesperrt bis alle anderen vorbeigerollt sind.
Es ist ein beeindruckendes Bild, das sich einem bietet, wenn man selbst in dieser gigantischen Traube aus Radfahrern unterwegs ist. Überall befinden sich Menschen, die das gleiche Ziel haben wie man selbst und Autofahrer stehen an den großen Kreuzungen im Stau und veranstalten genervt monotone Hupkonzerte.  Die meisten Hauptverkehrsstraßen sind so ebenmäßig und leichtgängig zu befahren, dass man auf dem Rad endlich mal ungehemmt Tempo aufnehmen kann und einem währenddessen der frische Elbwind der Hansestadt ins Gesicht weht. Für Verspätete, Nachzügler, oder Treffpunkt-Nicht-Finder gibt es mittlerweile übrigens auch die sogenannte Critical-Maps : eine App in der Teilnehmer der Critical Mass GPS-Signale teilen, die auf der Stadtkarte gebündelt für den Nachzügler sichtbar werden, welcher dadurch problemlos zu den anderen Teilnehmern aufschließen kann.

Motive und Möglichkeiten der Critical Mass

Während die Critical Mass für manche einfach eine Stadtrundfahrt mit Freunden und Bekannten ist, wollen andere auf die Bedürfnisse des Radverkehrs aufmerksam machen und Gleichgesinnte treffen – und einen kurzen Moment schaffen, in dem Ruhe auf den vielbefahrenen Hauptverkehrsstraßen ihrer Stadt einkehrt.
Es bedarf eines exzellenten Verkehrskonzepts, um die Bedürfnisse von Autofahrern, Radfahrern und Fußgängern innerhalb einer Stadt unter einen Hut zu bringen. Insbesondere dann, wenn sich Bedürfnisse schnell verändern. Mehr denn je, ist zum Beispiel die Umweltschutzdebatte relevant. Viele setzen durch regelmäßiges Fahrradfahren ein Zeichen für die Umwelt, verkleinern ihren persönlichen ökologischen Fußabdruck und ziehen somit an einem von vielen Strängen, die sich alle auf die Natur auswirken. Da das Fahrradfahren unterm Strich für die meisten Menschen aber eine wetterbedingte Fortbewegungsmethode mit positivem Nebeneffekt auf die Umwelt und Gesundheit ist, kann es eben nicht „die eine“ pauschale Lösung für die infrastrukturellen Herausforderungen des urbanen Lebens  sein, den Autofahrern Platz zu Gunsten des Radverkehrs zu nehmen. Doch was dann?

Wo ohne Frage angesetzt werden muss, sind die akuten Bedingungen für Fahrradfahrer. Vorhandene Radwege sollten regelmäßig gewartet und bei Bedarf ausgebessert werden, damit sich Fahrradfahrer sicherer bewegen. Lücken im Radwegenetz sollten geschlossen werden, sodass man nicht plötzlich im Leeren landet und nicht weiß wohin. Beschilderungen sollten unmissverständlich angebracht werden, sodass jeder einzelne Verkehrsteilnehmer seinen Platz kennt – nicht als Freiheitseinschränkung, sondern zum Wohle der allgemeinen Sicherheit.  Wenn jeder weiß, wo er sich im bewegten Straßenverkehr zu positionieren hat und dies auch tut, ist schon mal ein großer Schritt in die richtige Richtung getan.

Kidical Mass statt Critical Mass

Aus dem Konzept der Critical Mass ist mit der Zeit auch die Idee der sogenannten Kidical Mass hervorgegangen. Der Grundgedanke bleibt gleich, auch der Ablauf der Veranstaltung ist derselbe – nur kürzer, eher nachmittags und natürlich mit Kindern!
Denn nicht nur aus den Reihen besorgter Eltern hört man kritische Stimmen im Bezug auf das Radverkehrssystem, sondern auch von Kindern selbst, die beispielsweise regelmäßig mit dem Rad in die Schule fahren. Sie fühlen sich unsicher, wollen mehr Gewissheit, dass Autofahrer mit ihnen rechnen – nicht nur in einer verkehrsberuhigten 30er-Zone vor dem Schulhof. Sie wollen und sollen in einer Stadt aufwachsen, in der Fahrradfahrer und ihre Rechte ernstgenommen werden.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (2 votes, average: 3,00 out of 5)
Loading...

Foto: Tim Kaiser / radpropaganda.org

Kategorie: Veranstaltungen

  • Erste Kidical Mass in Nürnberg am 27. Juli 2018
    Weitere Informationen hier:
    https://www.adfc-nuernberg.de/spontanaktionen/

    Kidical Mass – letzter Schultag – Freitag, 27. Juli 2018 – 16:00 Uhr – Start beim Wöhrder See (Bucht am Norikus)

    Liebe Kinder, liebe Eltern, Omis, Opis, Tanten, Onkels, …
    Fahrradfahren in Nürnberg ist teilweise lebensgefährlich, vor allem für die kleinen Stadtbewohner.
    Und da sich in den vergangenen Jahren wenig geändert hat, sind wir der Ansicht, dass nun die Bevölkerung aktiv werden muss.
    Daher veranstalten wir die erste Kidical Mass in Nürnberg.
    Wir starten am neuen Strand beim Norikus.
    Die Strecke ist 4km lang und endet im Rosenau-Park.

    Erzählt es allen weiter (im Kindergarten, in der Schule, im Freundeskreis). Teilt es im Internet / soziale Medien. Es ist einiges geboten, so begleitet uns z.B. ein Soundbike. Wir hoffen auch, dass Fernsehen, Funk und Presse mitradeln.
    Geschützt werden wir durch die Polizei und viele Ordner.
    Die Veranstaltung ist versammlungsrechtlich angemeldet.

    Kommt alle, schmückt Eure verkehrssicheren Fahrräder, testet Eure Klingeln und Tröten. Wir wollen auffallen.

    Ihr seid die Zukunft der Stadt.

    ADFC Nürnberg – Spontanaktionen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.